Der Verein „Le 10ème Escadron des Chas­seurs à Cheval de la Garde Impériale » (10. Eskadron der kaiserlichen Gardejäger zu Pferd, Anm. d. Red.) wurde am 02. Dezember 1988. dem 183. Jahrestag der Schlacht von Austerlitz, durch Verehrer der Geschichte des ersten französischen Kaiserreichs gegründet.

Heute vereint es passionierte Reiter und Pferdefreunde, die in zeitgenössischer Uniform und Ausrüstung ausreiten, um so gemeinsam den Spuren dieses wohl renommiertesten Reiterregiments der Grande Armée zu folgen.

Das Ansehen dieses Regiments beruht unter anderem auf seinem elitären Charakter und den hohen Anspüchen, die als Messlatte fiir eine Aufnahme in seinen Reihen angelegt wurden und die es zu erfüllen galt. Aber auch aufgrund der Tatsache, dass es als personli-che Eskorte und als Leibgarde des Kaisers in nahezu allen Feldzügen präsent war und sich durch oft bewiesene Tapferkeit auszeichnete.

Napoléons besondere Wertschätzung gegenüber diesem Regiment zeigte sich unter anderem darin, das er oft dessen grünen Interimsrock trug, wie auf vielen seiner Gemälden und Portraits zu sehen ist.

Bevor wir mit der Geschichte des historischen Regiments fortfahren, wollen wir zunächst einen Blick auf das berähmte Bild des französischen Malers Théodore Géricault (1791 – 1824) werfen: Es zeigt einen Offizier der Chasseurs à Cheval de la Garde Impériale, den Leutnant der Kavallerie Alex­andre Dieudonne (datiert auf 1812). Ein kräftiger Apfelschimmel bäumt sich, angespannt durch die Aufregung der Schlacht, ungeduldig unter der Hand seines Reiters verschwitzt und schäumend auf. Der Offizier sitzt fest im Sattel, ungerührt inmitten des Schlachtge-schehens, während er sich seinen Männern zuwendet, um ihnen das Signal zum Angriff zu geben …

Alexandre Dieudonne, der 1812 während des Russlandfeldzuges fiel, gilt als einer der Zeitzeugen der historischen Ereignisse, die das Europa jener Zeit über Jahre hinaus prägten. Er teilte dieses auBergewöhnliches Schicksal mit vielen Männern seiner Zeit, seien es nun einfache Soldaten oder groBe Générale: Alle folgten sie ihrem Kaiser, die meisten zugegebenermaBen unfreiwillig und in den Militärdienst gepresst, viele andere jedoch aus echter Leidenschaft, Verehrung und Begeisterung fiirNapoléonI., Kaiser der Franzosen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sieht sich unsere Darstellungsgruppe der Aufgabe ver-pflichtet, seine „Vorgänger » gebuhrend auch iiber die Landesgrenzen hinaus zu repräsen-tieren und das Gedenken an die Soldaten wachzuhalten, die zwar aus ganz Europa stammten, aber dennoch unter Frankreichs Fahnen dienten.

Zeugen Napoléons Ruhms

Die Geschichte

 Die Ereignisse der napoleonischen Feldzüge wurden auf französischer Seite von einigen prominenten Zeitzeugen niedergeschrieben, deren Aufzeichnungen noch zu ihren Lebzeiten in ganz Europa Verbreitung fanden. So sind wir z.B. in der glücklichen Lage, uns auf die Notizen und Tagebücher des Generalleutnants Bro (1781 – 1844) beziehen zu konnen, denen des Kommandanten Parquin (1786 -1845), der Leutnants Chevalier und Krettly. Géricaults schon erwähntes Gemälde dient zwar ebenfalls als Anhaltspunkt, zumindest was das Erscheinungsbild eines Offiziers betrifft, ist aber im Vergleich zu den schriftlichen überlieferungen kaum der Rede wert.

Als eine der angesehensten Kavallerie-formationen innerhalb der Kaisergarde hat das Regiment durch seinen Mut und seine tadellose Ergebenheit dem Kaiser gegenüber einen nachhaltigen Eindruck in der napoleo­nischen Epoche hinterlassen.

Seine Geschichte begann mit dem Italienfeldzug Napoléons. Am 30. Mai 1796 wurde General Bonaparte in Borghetto (Provinz Verona) durch einen überfall österreichischer Ulanen überrascht und konnte sich nur mit knapper Not einer Gefangennahme entziehen. Um solche Situationen zukünftig zu vermeiden, wurde als Reaktion auf diesen Zwischenfall schon am nächsten Tag eine Schwadron von 50 Reitern formiert um den Schutz des obersten Befehlshabers zu gewährleisten. Jean-Baptiste Bessières (1768- 1813), einem Hauptmann des 22ten Régi­ments der Jäger zu Pferd, wurde das Kommando übertragen. Neben dem Schutz der Person Bonapartes waren die Aufgaben dieser neuen Formation unter anderem:

-    Wach- und Ordonnanzdienste beim Hauptquartier

-    Rekognoszieren (Aufklärung) gegnerischen bzw. fremden Terrains

-    Meldedienste

In den folgenden Jahren wurde die Schwa­dron auf Regimentsstärke aufgestockt und begleitete Napoléon fortan auf seinem schier kometenhaften Aufstieg. Es diente ihm als Teil der Konsulargarde und gehörte nach seiner Selbstkrönung zur kaiserlichen Gar­de. Es zog mit ihm in die Siege von Austerlitz (1805),Jenaund Auerstedt und andere Triumphe. Es folgte ihm in Niederlagen des Russlandfeldzuges, in Schlachten der Befreiungskriege und fand schlieBlich sein Ende nach der Schlacht von Waterloo, als es im November 1815 aufge- wurde. Unter den Soldaten, die an dies Novembertag die Waffen niederlegen mussten, fanden sich viele verdiente Veteranen der vergangenen Feldzüge und Schlachten :  Àgypten, Italien, Marengo, Austerlitz, Eylau, Spanien mit Somo-Sierra und Madrid, Wagram, Russland, Leipzig, Brienne, Champaubert, Montmirail, Arcis-sur-Aube … und zuletzt eben Waterloo.

Die 19 Jahre seiner Existenz genügten diesem Régiment einen festen Platz in der Militärgeschichte zu verschaffen.

 

Uniformierung und Bewaffnung

Seit der Zeit des Konsulats (10. November 1799 bis zum 1. Dezember 1804, Anm. d. Red.) trugen die Chasseurs eine Uniform im Husarenstil, die ihnen gegenüber der früheren Montur einen erheblich komfortableren Sitz bot. Diese Uniform wurde berühmt so wie sie Géricault Dieudonne in seinem Gemälde präsentiert und kann als Paradebei spiel eines Kavalleristen jener Zeit gelten.

Im Gegensatz zur aufwandigen Offiziers uniform fiel die der einfachen Chasseurs natürlich weit schlichter aus.

 Sowohl der „Colback », die hohe Mütze aus Bärenpelz, der „Dolman », die mit Schnüren besetzte Uniformjacke und die „Pelisse », der über die Schulter geworfene pelzgefutterte Mantel, als auch die „Culottes en peau de daim », die Hose aus Ziegenleder und die „Bottes Plissees », die Faltenstiefel waren charakteristischer Bestandteil der Uniform.

Wir können ebenfalls die Attribute des „Colback » hinzufügen, die „Plumet » (Hutfeder), sowie „Cordon et flamme » (Schnur und Feder). mit denen der Soldat seine Ausgehuniform zur Parade vervollständigte.

Als Seitenwaffe wurde ein Säbelmodell getragen.das 1803 auf Weisung des Kaisers speziell filr diese Einheit entworfen und gefertigt wurde. Kavalleriekarabiner und -pistolen vervollständigten die Bewaffnung im Feld.

Die Offiziere trugen dem Geschmack der Zeit entsprechend oft orientalisch anmutende Klingen (Armes à l’Oriental) bzw. reicher verzierte Varianten des Chasseur-Säbels.

 

Les Chasseurs heute

 Auf den Spuren des Ruhms

 Wir folgten in den 23 Jahren unseres Bestehens immer dem Weg des regiments im gefolge der Grande Armée und im Laufe der vergangenen Jahre haben die heutigen Mittglieder der Eskadron wohl mindenstens so viele Kilometer quer durch Europa zurückgelegt wie ihre historischen Vorbilder.

 Von den Häfen der Nordsee bis nach Mähren, von den trockenen Bergen Spaniens bis zu den eisigen Ebenen Russlands, von den Ufern des Njemen bis zu denen des Flusses Po: die 10. Eskadron nimmt immer vvieder gern an einer Vielzahl von Veranstaltungen teil, die die Schlachten nachstellen, die sich tief in das kollektive europäische Gedächtnis gegraben haben: Austerlitz, Friedland, Eck-mùhl. Somosierra, Marengo, Eylau, Borodino. Montmirail, Jena, Auerstedt etc.

Vor jeder Reise bereiten wir uns intensiv vor,nicht nur was unsere Ausrüstung betrifft, sondern auch indem wie unter anderem die Memoiren und Aufzeichnungen von Zeit-genossen studieren. So gelingt es uns, die Zeitgeschichte unmittelbar und eindringlich nachzuerleben. Während die meisten anderen Darstellungsgruppen erst am Freitagnachmit-tag oder -abend vor einer Veranstaltung an-reisen, sind wir mindestens schon seit zwei oder drei Tagen vor Ort.

Die Zeit bis zum eigentlichen Reenactment nutzen wir dann unter anderem dazu, zu Pfer-de und komplett uniformiert, Abstecher zu den in der Umgebung liegenden Denkmälern oder Schlachtfeldern zu unternehmen. Häufig kehren wir so erst Freitagnacht ins Feldlager zurück.

 Auf diese Weise nahm die 10. Eskadron auch im Oktober 2011 am 205. Jahrestag der Schlacht bei Jena und Auerstedt teil. Schon mehrere Monate zuvor begannen wir mit den Vorbereitungen, um bei der Zeremonie auf dem Schlachtfeld von Auerstedt beritten teilzunehmen, bevor wir wenige Tage später nach Jena weiterreisten.

Um dieses Projekt zu realisieren war es notwendig, 12 Pferde aus Frankreich zu transportieren, 6 davon geliehen, 6 aus Ei-genbesitz der Vereinsmitglieder. Des Weiteren war in Hassenhausen ein Quartier für Pferde und Reiter zu finden und dann eine Reiseroute auszuarbeiten, um zu dem Lager im circa30 kmentfernten Vierzehnheiligen zu gelangen.

An dieser Stelle möchten wir den Einwohnern von Hassenhausen nochmals für eine der gastfreundlichsten Aufnahmen in ganz Europa danken.

In einer französischen Zeitschrift haben wir bereits die Geschichte dieses Abenteuers beschrieben, von dem wir hier gerne einen kleinen Auszug veröffentlichen möchten:

  »Es war der 14. Oktober2011 inHassen­hausen. In der Kälte des frühen Morgens schwang sich unsere aus 12 Reitern bestehende Gruppe in die Sättel. Eine kleine Steintafel, auf der Ruckseite der Stallungen platziert, trug die Inschrift „Division Gudin ».

Unser Tag begann mit einer Feldbesichtigung in Richtung Spielberg. Wir ritten zum

Herzog von Braunschweig-Monument, in der Nähe des Dorfes Taugwitz, um dort der jähr-lichen Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen beizuwohnen. Doch schon bald mussten wir uns von unseren freundlichen Gastgebern verabschieden und ritten zurück ins Feldlager beim Dorf Vierzehnheiligen. Zwischendurch nahmen wir „mit dem Zaumzeug im Arm » ein kleines Mittagessen hinter der Kirche des Ortes Flurstedt ein.

Die Einwohner waren zunächst von unserem Anblick überrascht, aber schon bald be-wirteten sie uns mit lokalen Spezialitäten wie Schinken, Käse und Schnaps, während sich manches interessante Gespräch zwischen uns entwickelte.

Es dämmerte bereits, als wir, nachdem wir Stobra umritten hatten, die Mühle von Krip-pendorf erreichten. Wir kündigten unsere An­kunft im Feldlager mit Trompetensignalen an, versorgten unsere Pferde und waren in Gedanken bereits beim morgigen Tag, an dem das Reenactment der Schlacht vonJenaund Auerstedt stattfinden sollte. »

Diese Erfahrungen und Unternehmungen sind es, die uns unsere Darstellung so reizvoll machen. Immer ein bisschen mehr als nur die reine Veranstaltung zu besuchen und zu bespielen. Auch das zivile Entdecken historischer Plätze, mit den Pferden bereits vor der Veranstaltung loszureiten, den Marschrouten der damaligen Zeit in Uniform und Ausrüstungen zu folgen und natürlich das Treffen mit anderen Gruppen im Lager um dort das Ereignis gemeinsam zu begehen, Erfahrungen und Anekdoten auszutauschen.

 

Zwischen Gesellschaft und Feldlager

 

Die 10. Eskadron nimmt, wie schon erwähnt, an zahlreichen Veranstaltungen im In- und Ausland teil, auch wenn dièse nicht immer ein Schlacht-Reenactment zum Thema haben. So unterstiitzen wir bei unterschiedlichsten Events den „kaiserlichenHof » (dargestellt von Zivildarstellern aus der na-poleonischen Epoche) wo wir dann als Ehrenwache o.a. fungieren.

2011 bildeten wir in Sarzana (Italien) die berittene Eskorte des Kaisers, verkörpert von Mark Schneider, und nahmen dort an einer Parade teil. Und an manchen Abenden wie inBath(England) besuchen wir auch festliche Bälle, denn die Chasseurs sind, genau wie ihre historischen Vorbilder. auch heute gute Tänzer!

Fester Bestandteil unseres Veranstaltungskalenders und für uns ein absolutes MUSS: Jedes Jahr am 2. Dezember gedenken wir unter dem Arc de Triomphe inParisdes Tages von Austerlitz (1805).

 Um den Erfolg unserer Reisen zu gewährleisten, ist es wichtig ein guter Reiter zu sein. Auch wenn unsere Eskadron auf allen Ebenen erfahrene Reiter besitzt, ist es unsere Aufgabe junge Rekruten zu trainieren. Die­se Instruktionen folgen den Prinzipien von Oberst Wattel (Leiter Kavallerie-Schule in Saumur) welcher den Grundsatz „arbeiten und lesen » formulierte.

 Deshalb trainieren wir neue Mitglieder des Vereins sowohl zu FuB als auch zu Pferd. Sie sind oft bereits Reiter, aber die Arbeit auf sehr unterschiedlichen Sätteln und dazu in Uniform (die nicht sehr der modernen Reitkleidung gleicht), das Training mit dem Säbel, die Handhabung der Pistole und des Karabiners… all das erfordert intensive Übungen am Anfang und eine regelmäBige Praxis im weiteren Verlauf.

 Dies ist der Grund, wieso der Verein mehrfach im Jahr Trainingsveranstaltungen von ein bis zwei Tagen organisiert, so dass jedes Mitglied die Chance bekommt, sich in den Fähigkeiten, die fur es am wichtigsten sind zu entwickeln (Fechten zu Pferd, Beherr-schen des Pferdes mit einer Hand, Hand­habung von Schwarzpulverwaffen). Das Training eines guten Jägers beinhaltet auch die genaue Kenntniss der unterschiedlichen Befehlsarten, was gerade für das Agieren auf dem Schlachtfeld essentiell ist.

Unsere Marketenderinnen, die “ Vivandières ”, sind die meiste Zeit bei uns. Sie gewährleisten mit grosser Effizienz und viel FleiB die Administration und einen GroBteil der erforderlichen Logistik. “ hinter den Kulissen ”. So ist unser Essen meist bereits fertig, wenn wir nachts ankommen und auch en Begleitfahrzeug ist stets vor Ort.

Endlich, wenn das Schlacht-Reenactment zuende ist, die Pferde gefüttert und versorgt sind, verbringen wir unsere Abende im Kreise unserer “ treuen Feinde ” . Es ist die Zeit der Verbrüderung und des Austausches mit denen, die mit uns die gleiche Leidenschaft für das Hobby, die Epoche und nicht zuletzt auch für das reiten und die Liebe zu Pferden teilen.

Die Franzosen, die PreuBen, Sachsen, Badener, die Bayern, öterreicher und die Russen, die Spanier und die briten…unsere Lager sind so kosmopolitisch dass es sich manchmal anfüht, als wären wir tatsächlich 200 Jahre zurück in die Vergangenheit gereist. Nur mit dem Unterschied, das die Feindschaft von damals  der länderübergreifenden Freundschat von heute gewichen ist.

Bis zum “ Ende des Empire ” auf dem Schlachtfeld von Waterloo im Juni 2015 warten noch viele weitere und hoffentlich spannende reisen auf uns. Erst stehen Litauen, Russland und WeiBrussland auf unserer Agenda, bevor wir wieder in Deutschland zu Gast sein werden. Im Jahr werden das unter natürlich Leipzig…aber das ist eine andere Geschichte.